Warum es nicht nur um die Honigbiene geht!

Der Titel dieses Artikels ist der Arbeitsgruppe „Biene sucht Blüte – Dresden soll summen!“ zuzuordnen.

Ich wurde über Facebook über den Artikel Stolperfalle “Bienenmischung” – ein Verbraucherbericht auf diese Seite aufmerksam. Beim durchlesen der Website fiel mir dann der angesprochene Artikel auf, den ich hiermit empfehlen möchte.

Einige Aussagen in dem Artikel möchte ich hier aber noch ergänzen.

Honigbiene als Bestäuberin überschätzt

Das Faktenblatt “Wildbienen und Bestäubung” des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FIbL) fasst einige aktuelle Studien zusammen. So wurden  z.B. im Jahr 2007 aufgrund zurückgegangener Honigbienenbestände lediglich ein Drittel der Bestäubungsleistung Großbritanniens durch Honigbienen erbracht. Die übringen zwei Drittel wurden offensichtlich durch Wildbienen, Schwebfliegen und andere Wildbestäuber geleistet. Doch auch bei häufigem Vorkommen von Honigbienen erhöhen wilde Bestäuber den Fruchtansatz.

Mit Prozentangaben tue ich mich mitunter sehr schwer, man kann sie nicht so ohne weiteres auf jede Region anwenden. Angeführt wird im vorliegenden Beispiel das Jahr 2007. Zwei Drittel der Bestäubungsleistung durch Wildbienen, Schwebfliegen und andere Wildbestäuber ist in der Tat sehr hoch. Jedoch sollte man nicht außer acht lassen das Wildbienen auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind und die Bestäubungsleistung dadurch natürlich auch begrenzt sein kann. Nichts desto trotz ist der Bestäubungswert durch die Wildbienen sicher höher als allgemein angenommen wird, wenn die Bedingungen gut sind, und das ist auch gut so.
Und damit komme ich zum Punkt. Vorliegende Studien sind acht Jahre alt und vieles hat sich inzwischen verändert. Die Pestizidbelastung hat sich in diesem Zeitraum vervielfacht. Ganz besonders der Einsatz der „Neonicotinoide„. Die Auswirkungen sind dementsprechend und machen auch nicht vor den Wildbienen halt. Um zu verstehen warum die Gefahr für diese Verwandten unserer Honigbiene besonders groß ist, muß man wissen wie sie sich vermehren. Sie werden auch als „Solitärbienen“ bezeichnet, das deutet schon darauf hin dass sie gewissermaßen allein leben und nicht in einem, aus bis zu 50.000 Einzelexemplaren bestehenden Superorganismus, wie die Honigbienen.

Die meisten Solitärbienen legen in geeigneten Röhren, unterschiedlichsten Ursprungs, sogenannte Nestgänge an. In diesen befinden sich bis zu fünf Einzelnester hintereinander, auf dem nachfolgenden Foto kann man das sehr gut erkennen.

nestgaenge510

Quelle und © Copyright: http://www.wildbienen-umweltbildung.de/        cms/upload/Bilder/nestgaenge510.jpg

In der obersten Röhre sieht man jeweils ein Ei mit einem Nahrungsdepot aus Blütenpollen (Eiweiß), vermischt mit Nektar bzw. Honig. In der zweiten Röhre erkennt man die geschlüpfte Bienenmade beim verspeisen dieses Nahrungsvorrates und in der unteren Röhre sieht man die verpuppten Larven die auf den Schlupftermin warten.

Neonicotine sind wasserlöslich und reichern sich im Boden an. Irgendwann, wenn der Sättigungsgrad sehr hoch ist, gelangt dieses Gift in das Grundwasser und dann werden diese Pestizide von nahezu allen Pflanzen aufgenommen. Sie gelangen dann auch in die Blütenpollen der Wildblumen und damit in die Nahrungsgrundlage „aller“ Blütenbestäuber und entfalten dann dort ihre verherende Wirkung. Auch bei den Wildbienen!

Alles Zukunftsmusik? Nein, leider nicht! Die Auswirkungen sind schon jetzt viel schlimmer als wir uns das vorstellen können. Der Artikel „Bekämpfung von Insekten mit Neonicotinioiden – Gift für Bienen und Vögel“ in der Süddeutschen zeigt ganz klar die Gefahren auf.

Noch gestern Abend berichtete mir ein Österreichischer Freund und Imkerkollege bei einem Telefonat, dass der Sättigungsgrad der Neonics in bestimmten landwirtschaftlich genutzen Gegenden in Österreich schon so hoch ist, dass die Verluste bei den Bienenvölkern bis zu 70% betragen, in diesem Winter. In Tschechien sollen es sogar schon über 80% sein. Diese Zahlen sind noch nicht bestätigt, beruhen aber auf bisherigen Schätzungen sehr kompetenter Fachleute und letztlich werden sie auch über kurz oder lang bestätigt werden. Wir können nur hoffen das diese Zahlen sich nicht noch selbst überholen.

Unsere Honigbienen haben es bei aller Brisanz aber noch gut, gemessen an den Wildbienen. Imker greifen in den meisten Fällen noch rechtzeitig ein und verbringen die Bienenvölker in Gebiete in denen die Belastung nicht so hoch ist, so dass nicht alle Völker verenden. Aber alle Wildbienen, einschließlich der Hummeln, sind weitaus schlechter dran. Bei dem obigen Foto sieht man ja sehr gut warum das so ist. Wenn die Nahrungsgrundlage vergiftet ist wird keine dieser Larven den Nestgang verlassen können, sie sterben vorher.

Um so wichtiger ist es in unbelasteten Regionen, in Großstätten wie Köln oder anderswo, so viele Nisthilfen wie möglich, für Wildbienen und Hummeln bereit zu stellen. Viele der im Handel angebotenen Nisthilfen sind wenig geeignet, natürlich nicht alle. Die meisten besitzen auch keinen ausreichenden Schutz vor Insektenfressern wie Meisen und Spechte. Möchte man den Hummeln helfen, dann muß man auch schon etwas tiefer einsteigen.

Wir bereiten zurzeit in unserer Werkstatt in Köln Lindenthal, im Fort VI (Deckstein), die Möglichkeit vor, dass kleinere Gruppen unter fachlicher Anleitung, solche Nisthilfen selbst herstellen können. Wir geben hier im Blog und unserer Facebookseite rechtzeitig Bescheid wann es los gehen kann. Bei Interesse einfach in unserem Newsletter anmelden, oder (bis dieser eingerichtet ist) eine Email an info (ät) nendo-dango.de

 

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